Kognitive Mathematik

6


Inge Schwank

 

Der hier interessierende Unterschied im Verhalten der Kinder ist, daß manche sich daran orientieren, in welchen Farben sich die beiden Lokokmotiven unterscheiden, andere aber daran, daß nur die eine der beiden Lokomotiven an der Unterseite einen beweglichen Hebel aufweist (dieser ist tatsächlich für das Erklingen der Töne beim Überfahren der Brücke verantwortlich).

Auch wenn es einem als Erwachsenen so erscheint, als sei das Berücksichtigen des Hebels die intelligentere Verhaltensweise, so darf doch nicht verkannt werden, daß die Orientierung an den abstrakten Farben eine anspruchsvolle kognitive Leistung für die jungen Kinder darstellt. Für den Fall, daß beide Lokomotiven nebeneinander vor einem stehen, ist die Orientierung an den Farben auch die schnellere, da nicht erst noch die nicht im Blickfeld sichtbare Unterseite überprüft werden muß.


Bleibt festzuhalten, es ist möglich, eine hohe Sensibilität für statische Merkmale (z. B. Farbeigenschaften, aber auch komplexe Beziehungen und abstrakte Strukturen) und deren kognitiver Verwaltung zu besitzen.

Es kann auch möglich sein, eine hohe Sensibilität für dynamische Ereignisse (z. B. bewegliche Hebel, aber auch komplexe Prozessabläufe und Wirkungsketten) und deren kognitiver Verwaltung zu besitzen.

.

.

Beherrschung einer Umgebung kann (häufig) auf strukturell-abstrakte oder dynamische Weise erfolgen.

.

Copyright: Inge Schwank, University of Osnabrueck
Last modified: 1998 Nov 07